Der Diener zweier Herren*
Wer Hunger hat muss essen. Aber für Essen muss man arbeiten. Und wer für Zwei Hunger hat, muss auch für Zwei arbeiten, das ist eigentlich logisch. Als sich für den Diener Arlecchino die Gelegenheit bietet, zwei Herren gleichzeitig zu dienen, sieht er darin die Chance, das bodenlose Loch in seinem Magen zu stopfen. Doch die vermeintliche Lösung wird für den armen Arlecchino ziemlich schnell zum Problem, da beide Herren ihre Ansprüche an ihn haben und dabei natürlich nichts voneinander wissen dürfen, sonst gibt es Prügel statt Pudding.
Das viel grössere Problem ist jedoch, dass sich beide Herren kein bisschen um Arlecchinos leeren Magen scheren. Sie sind viel zu beschäftigt mit ihren Liebesangelegenheiten. Der erste Herr, Federico Rasponi, mit dem Arlecchino nach Venedig gekommen ist, ist nämlich in Wahrheit Beatrice Rasponi, die sich für ihren verstorbenen Bruder ausgibt, um dessen Ansprüche auf seine Braut Isabella und besonders auf das Geld von Isabellas Vaters durchzusetzen. Da Federico totgeglaubt war, wurde Isabella unterdessen jedoch fix mit dem aufbrausenden Silvio verliebt und verlobt, was die Angelegenheit nicht gerade einfacher macht. Arlecchinos zweiter Herr, Florindo, ist, wie es der Zufall so will, Beatrices Verlobter und gleichzeitig Mörder ihres Bruders. Er ist nach der Tat geflohen und, wie es der Zufall weiter will, ebenfalls in Venedig, am gleichen Ort wie seine Beatrice einquartiert und vom gleichen Diener bedient. Der bringt zwar alles durcheinander, verstrickt sich aber dabei so verzweifelt geschickt in Lügengeschichten, dass die beiden nichts von einander erfahren, bis sich die ganze Verwirrung auflöst und sich alle glücklich in den Armen liegen können. Bis dahin muss Arlecchino in diesem rasanten Spiel um Liebe und warme Mahlzeiten jedoch schwitzen und schwindeln für Zwei, zur (mindestens) doppelten Freude des Publikums.
Ganz in der Tradition der Commedia dell’arte, der italienischen Stegreifkomödie, wetteifern in diesem höchst unterhaltsamen Stück die skurrilsten Bühnenfiguren in so turbulenten wie phantasievollen Bühnenaktionen um die Gunst des Publikums. Ein Spektakel mit Wortwitz, Bewegungskunst, Gesang und einer grossen Dosis Lust am Spielen, sich Verstellen und alles für einmal nicht so ernst nehmen. Schliesslich sagt der Bauch, oder besser gesagt, der Magen, wo’s lang geht.
*Komödie nach Carlo Goldoni. Übersetzung und Textfassung Thea Reifler und Florian Rexer.
Alle Rechte, insbesondere die der Aufführung durch Bühnen, Freie Gruppen und Amateurgruppen, der Vorlesung, Verfilmung und Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen sowie der Übersetzung, sind ausschliesslich Florian Rexer vorbehalten.
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